| 09/2017
| Greifswald/Güstrow |

Am 24. September feierte außerdem der Kunstwettbewerb „RUMOOREN – Kunst trifft Moor“ seine Premiere. Im gesellschaftlichen Diskurs spielen Moore kaum eine Rolle – zu Unrecht! Deshalb waren bundesweit interessierte Designer, Künstler und Kunstschaffenden zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Moor und Paludikultur, Moore und Klimaschutz eingeladen.

Von Torfinstallation, Malereien bis Rohrkolbenkissen sollen die Ausstellungsstücke die öffentliche Wahrnehmung und den Austausch zum Thema „Moor, Klimaschutz und Nutzung“ anregen.

In der Ausstellung wurden Arbeiten von Silvia Klara Breitweiser, Karin Domanowsky, Dem Duo Charlotte Erckrath Und Maik Ronz, Antje Ingber, Wenchao Ji, Julia Kiehlmann, Maike Klein, Anne-Fee Mennen, Elisa Nest, Ingrid Ogenstedt, Antje Pehle, Dennis Propp, Jürgen Reich, Max Schmelcher, Tom Schröder, Gabriele Seitz, Johannes Steubl und einer Gruppe von Kunst-Studierenden der Universität Greifswald gezeigt. Informationen zu den Künstlern und deren Bezug zum Moor finden sie im Begleitheft zur Ausstellung.

Unter 19 Künstler_innen wurden im Rahmen der Vernissage die 3 Preisträger_innen präsentiert.

Erster Preis: Ingrid Ogenstedt

Die Weiterentwicklung der Verwendung von Torf als Baustoff beschäftigt die in Düsseldorf lebende Schwedin Ingrid Ogenstedt. Sie erhielt für ihre drei Fotografien von eigenen Torfinstallationen auf Island (Unearthed II) und in Seefeld mit Torf-Soden aus dem Gnarrenburger Moor (Vessel), den mit 1.500 € dotierten ersten Preis des Wettbewerbs. Ingrid Ogenstedt arbeitet seit mehreren Jahren mit dem Material Torf. Ihrer Ansicht nach speichert „Torf Zeit, Kultur und Erzählung, die selbst erzählen, wie man mit ihnen umgehen soll.“

Sie baut aus selbstgestochenen Torfblöcken und Grassoden archaisch anmutende, ortsspezifische Installationen, die an Gebäude erinnern. Das Material verweist dabei mit seinem Alter auf dessen Vergangenheit. Die in der Landschaft Frieslands oder Islands gebauten Skulpturen behaupten sich in ihrer Umgebung und untermauern mit den Skulpturen innewohnenden Wachstums- und Zerfallsprozessen die Eigenart, der sie umgebenden Landschaft auf atemberaubende Weise.

Zweiter Preis: Silvia Klara Breitwieser

Silvia Klara Breitwieser aus Berlin nutzt seit den 1980er Jahren Torf als Material für ihre Arbeiten. Sie erhielt den mit 1.000 € dotierten zweiten Preis. In der Ausstellung zeigt sie einen Teil ihres umfangreichen Oeuvres. Sie sagt dazu: „Die Entdeckung von riesigen Moorlandschaften in gleißendem Licht – horizontweite, wüstenähnliche Flächen, mit braunen Mauern – das bedeutete Anfang der 80-er Jahre für mich einen Wendepunkt und löste meine Arbeiten mit keramischen, zu Steinzeug hochgebrannten Erden ab – zugunsten von Rohstoffen (rohen Stoffe!) in ihrer Brüchigkeit und ehrlichen Vergänglichkeit – also gegen den bildhauerischen Ewigkeitswahn.“

In der Folge experimentierte sie mit aus Torfsoden gebauten Mauern, Parkettböden oder Möbeln. 1987 baute sie das 30 mal 30 m große Torf-Forum in Berlin auf dem ehemaligen Anhalterbahnhof im Rahmen von Mythos Berlin zur 750-Jahrfeier der Stadt.

Dritter Preis: Julia Kiehlmann

Julia Kiehlmann erhielt für ihre Installation „Pillow talk“ den mit 500 € dotierten dritten Preis. Für ihre Installation, die in den Grenzbereichen zwischen Kunst, Wissenschaft und Schlaf angesiedelt ist, nähte die Künstlerin zwei rohrkolbenförmige Kissen, füllte sie mit Samenhaaren von Rohrkolben und nutze eins der Kissen vier Wochen als Kopfkissen. Ihre Gedanken dokumentierte sie dabei in einem kleinen Heft, in dem sie von guten Träumen auf ihrem Rohrkolbenkissen berichtet. In der Ausstellung durften die Besucher an ihrem Experiment teilhaben, indem sie die haptischen Eigenschaften der Kissen erfühlen konnten. Für Julia Kiehlmann ist es „ein besonderer Anreiz, über einen Gegenstand neu nachzudenken, den alle kennen und zuhause haben. Eine Kissenfüllung aus einem nachhaltigen, naturbelassenen Rohstoff wie „Schilfwatte“ erfüllt die Bedürfnisse unserer Zeit, in der viele Menschen ökologische und pflanzliche Erzeugnisse bevorzugen.“

Vom 24.9.- 8.10. sind die Exponate aller 19 Künstler_innen im Caspar-David-Friedrich-Institut (Bahnhofstraße 46/47) zu sehen, der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten „Rumooren“:  25.-28.09.2017, 8-20 Uhr | 29.09.-08.10.2017, 12 – 18 Uhr

„Rumooren“ ist ein Kooperationsvorhaben des Greifswald Moor Centrum, des Caspar-David-Friedrich Institut in Greifswald und der Akademie für Nachhaltige Entwicklung MV (ANE).

Die Texte zu den Preisträgern wurden unter dem Titel “RUMOOREN – Bericht über die Ausstellung Kunst trifft Moor im Caspar-David-Friedrich-Institut, Greifswald, vom 23. September bis 8. Oktober 2017” im TEMLA Band 48, Dezember 2017 veröffentlicht.

Für alle Bilder gilt das Copyright: www.lensescape.org   

Für noch mehr Wissenswertes rund Moore und Paludikultur empfehlen wir auch die exzellente Website www.moorwissen.de, die das Greifswald Moor Centrum betreibt.

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